Mein Jahr mit Leica M

Mein Jahr mit Leica M

Ich habe mal überlegt, wann ich das letzte Mal eine Kamera längere Zeit hatte. Die Olympus E-M5 MKII war, glaube ich, nach der gestohlenen D700 am längsten bei mir, aber nicht ganz ein Jahr geschafft. Allerdings war die D700 ziemlich lange meine Begleiterin und nach dem Diebstahl war ich eher am Suchen.

Es war natürlich auch dem G-A-S geschuldet und diesmal hatte ich mir geschworen, dass die Leica bleibt. Ok, wer meinen Beitrag zum Jahresanfang gelesen hat, konnte vernehmen, dass ich trotzdem auch mit anderen Systemen fotografiert hatte, aber diesmal wirklich erstmal testen und dann entscheiden.

Bisher hatte ich immer den „Fehler“ gemacht, dass ich Interesse an einer neuen Kamera und die „alte“ verkauft hatte usw. Da das i.d.R. mit gebrauchten war, auch ohne oder nur mit geringen Verlust, aber eben mit Aufwand. Das hatte im Prinzip auch zur Folge, dass ich häufig eher mit der Technik der Kamera als mit dem Fotografieren beschäftigt war. Das mich auch einmal richtig abgenervt hatte.

Aber wieso habe ich überhaupt wieder eine Leica M gekauft? Tja da ist mein Händler Schuld, der mich zum V.I.P.- Abend zur Vorstellung der Leica SL eingeladen hatte. Neben netten Gesprächen konnte ich auch ein paar neue und nette Leute kennenlernen, die z.B. eine Monochrom und Leica Q hatten. Ich fand zwar die Leica SL toll, allerdings sind die nativen Objektive schwer und groß, aber dazu später mehr.

Und durch diesen Abend hatte ich wieder Blut geleckt und es kam so ziemlich zeitgleich die um Video und Liveview abgespeckte Leica M heraus. Da ich beides bei der M-P nur selten genutzt hatte und auch die 262 wieder diese Kante der M9 oben hat, war es um mich geschehen und habe zugeschlagen. Nach einer Wartezeit konnte ich dann die M am 04.01.2016 in Empfang nehmen.

Wie gesagt, beim Kauf der Leica hatte ich mir geschworen, die bleibt. Und wie ist es mir ergangen?

Nachdem ich mich auf das System jetzt mal richtig eingelassen habe und auch durch sehr hilfreiche Tipps von Thomas und von Heinz, was die Tricks beim Fokus und Schärfentiefenscala (damit hatte ich mich bisher auch zu Analogzeiten kaum auseinandergesetzt) angeht, muss ich sagen, dass mit das Fotografieren mit der M am Meisten Spass gebracht hat und auch immer noch bringt. Zu den beiden „Tricks“ werde ich mal bei Gelegenheit etwas schreiben.

Ich kann sehr unbeschwert fotografieren, da mich die Technik nicht mehr ablenkt und durch die Übersichtlichkeit der Kamera und des Menüs ist alles mittlerweile richtig ins Rückenmark übergegangen. Nach meinem Brasilienurlaub in 2015 war ich nicht 100%ig überzeugt, sodass ich dann doch leider die M-P verkauft hatte. Ich hätte sie zwar mit nur sehr wenig mehr Auslösungen zurückkaufen können, habe mich aber dann doch für die „abgespeckte“ Version entschieden.

Die X-Pro 2, die X70 und Ricoh GRII konnte ich auch testen und auch sogar ein Wochenende mal wieder eine Nikon D750, aber ich habe immer wieder sehr gerne im Zweifel zur M gegriffen. Ein richtiges Licht ging mir durch die Miesere mit der X-Pro 2 auf, was aber nicht die Schuld der Kamera war, sondern eben, dass sie zu neu für mich war.

Also war und ist die Leica immer dabei, wenn ich irgendwie unterwegs war/bin.

Nun war und bin ich zwar kuriert von anderen Systemen (mich reizt derzeit nicht wirklich was auf dem Markt ist von anderen Herstellern), aber wer mich kennt, bin ich doch ein Spielkalb und durch einen „Zufall“ habe ich in Berlin eine relativ günstige gebraucht Leica SL mit dem 24-90mm Objektiv gefunden und hatte zugeschlagen. Aber trotzdem die M, Gott sei Dank, behalten. Die SL ist eine wirklich tolle Kamera und sie hatte mich eigentlich überzeugt, aber leider nicht die Objektive und auch die Aussichten auf zukünftige Objektive. Die sind einfach zu groß und schwer und die nicht kleine SL wird entsprechend kopflastig. Ein Adaptieren von M- oder R- Linsen kam für mich nur für die Linsen in Frage, wo es keine Autofokus-Alternative gab. Also habe ich die SL gegen die Monochrom getauscht, die mich auch schon immer interessiert hatte und mir auch hier ein sehr gutes Angebot über den Weg gelaufen ist – es passte.

Tja und nun habe ich die M262 seit einem Jahr und die M246 seit einem halben Jahr und beide sind zu meinen treuen Begleiterinnen geworden. Von meinen acht Amsterdam-Besuchen habe ich sechs mit der 262 und zwei mit der Monochrom gemacht und immer mit Begeisterung. Wer meinen Instagram und meinen 500px-Account verfolgt kann hier deutlich sehen, das die beiden mir richtig Spass bringen.

Wenn ich mir 2016 so betrachte und auch meine beiden Schätzchen, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass ich dies Jahr die 100% Leica M schaffen werde. Wie schon hier gesagt, ausgenommen iPhone und Sofortbilder.

Fotomarathon Hamburg

Fotomarathon Hamburg

Puh ich muss sagen, ich hänge etwas hinterher, was das Schreiben hier im Blog angeht. Eigentlich habe ich noch einen kleinen Bericht über mein verlängertes Wochenende in Amsterdam über Himmelfahrt und auch ein etwas ausführlicheren Bericht des Klostergeister 2016 Workshop steht auch noch aus.

Aber aus aktuellem Anlass werde ich meine Erlebnisse vom letzten Samstag einfach mal vorziehen, da die Erinnerungen noch so schön frisch sind und es auch noch ein tolles Erlebnis war.

Ich hatte mich schon vor längerer Zeit mal beim Newsletter des Fotomarathon Hamburg angemeldet und habe mich durch Kollegen von 365fotos.org überreden lassen dort mitzumachen. Da ich recht spät dran war, bin ich erst auf der Warteliste gelandet, aber schnell nachgerückt – es gab kein zurück .

Was ist der Fotomarathon HH? Im Groben ist es 24 Bilder in 12 Stunden digital oder analog zu machen. Hier gibt es allerdings ein paar Einschränkungen, die es interessant machen, mich aber auch teilweise zur Verzweiflung gebracht haben.

Was macht die Sache so interessant und auch herausfordernd? Man bekommt kurz vor Start das Oberthema, was sich durch die Bilder durchziehen sollte und dann erstmal acht Unterthemen, ein Etappenziel und eine Uhrzeit zu der man sich dann den ersten Stempel abholt. Dort erhält man die nächsten acht Aufgaben und das nächste Etappenziel mit der Zeitvorgabe und am letzten Etappenziel erhält man dann die letzten acht Aufgaben und das Ziel. Wie gesagt, vorher war nichts bekannt.

Nun zu den Regeln:

  1. es dürfen nicht mehr als 24 Bilder auf der Speicherkarte oder dem Film sein
  2. es muss die Reihenfolge der Aufgaben eingehalten werden
  3. nur JPEG, keine RAW und auch keine Bearbeitung hinterher (man durfte sich aber schon Styles in der Kamera vor dem Bild einstellen)
  4. Querformat, da auch die Hochformatbilder quer aufgehängt werden
  5. um 10 Uhr war der Start und um 22 Uhr war Zielankunft
  6. kein Smartphone

Ich hatte mir selber auch noch ein paar Regeln auferlegt, die die Sache nicht gerade einfacher gemacht hat:

  1. alles zu Fuss
  2. die Bilder sollten an den Standorten oder auf dem Weg entstehen
  3. pro Aufgabe nicht zuviel probieren, sondern die Idee und max 1-3 Bilder, denn die analogen Kollegen hatten ja auch nicht so den Komfort, dass die sich die Bilder aussuchen konnten.

Das Oberthema war „Die Stadt ist Deine Bühne!“ Hier hatte ich glaube ich das etwas zu eng gefasst, denn „Die Stadt“ war für mich Hamburg. D.h. jedes Bild sollte ein Bezug mit Hamburg haben. Dies und auch die Punkte 1 und 2 haben mir das Leben nicht einfacher gemacht. So nachdem ich ein paar andere Bilder (Tim und Thomas Leuthard) schon gesehen habe und auch die >50.000 Schritte die ich gelaufen bin, hätte es wohl auch gereicht, wenn in den Bilder der Bezug auf „eine Stadt“ gewesen wäre.

Die ersten acht Themen starteten im Schanzenviertel:

  1. Wie es Euch gefällt (hier sollte auf jeden Fall auf dem Bild die Startnummer sein)
  2. Ensemble
  3. Ungeschminkt
  4. Kostüm
  5. Kulisse
  6. Zweitbesetzung
  7. Generalprobe
  8. Lampenfieber

Etappenziel war dann in Eimsbüttel

Die nächsten acht Themen waren dann:

  9. Vorhang auf
10. Rampenlicht
11. Diva
12. Monlog
13. Blackout
14. Souffleuse
15. Drama
16. Abgang

 Ziel war dann in St. Georg

 

Und die letzten acht Themen waren:

17. Szenenwechsel
18. Letzter Akt
19. Heldentod
20. Loge
21. Beifall
22. Verbeugung
23. Zugabe
24. Schlussvorhang

Hier war das Ziel auch wieder Eimsbüttel

Ein besonderen Dank gilt dem Kollegen, der mir erst das Bier (ok es waren zwei) verkauft und sich dann bereit erklärt hatte für mich zu posen. Der Typ war einfach nur cool drauf und wir hatten viel gelacht. Ich würde mich freuen, wenn der zur Ausstellung kommt!

Dann ist mir natürlich auch noch ein Supergau passiert. Wie ich ja schon geschrieben habe, wollte ich ja nur 1 max. 3 Bilder eines Motivs machen. Was im übrigen auch fast immer geklappt hat. Ich habe dann sofort ausgesucht und das Bild über die Kamera geschützt, um ein versehentliches Löschen zu vermeiden. Nun genau das hatte ich beim „Letzter Akt“ vergessen, was ich bei drei Bildern weiter leider schmerzlich merkte, denn die durfte ich wiederholen, was aber leider nicht 1:1 klappte, da ich schon zu weit weg von dem ursprünglichen Standort war und mit die Zeit wegrannte.

Was würde ich nächstes Mal anders machen oder was für Fehler habe ich gemacht?
Ob ich nächstes Mal wieder alles erlaufen werde, weiss ich nicht, aber man verliert Zeit, wobei die Idee von  mir war, dass ich die Motive auf dem Weg finde, was teilweise geklappt hatte, meist aber nicht. Hier hätte ich es mir einfacher machen können, indem ich in Stadtteile gefahren wäre, wo vielleicht etwas besser Motive für die Einzelnen Themen wahrscheinlicher gewesen wäre. Mir fällt da nur die Reeperbahn ein.

Dann vielleicht das Oberthema mal wirken lassen, denn ich habe mir schon das Leben gewaltig schwer gemacht, indem ich statt die bzw. eine Stadt an sich Hamburg zu sehr in den Fokus genommen habe. Ok, manchmal muss man schon suchen und man muss sich in Hamburg auskennen, um es zu erkennen, aber spätestens bei den Astra-Flaschen war der Bezug zu Hamburg wieder da.

Auch wenn ich zwischendurch der Verzweiflung nahe, ich mit den Bilder nicht zufrieden bin und es sehr anstrengend war, hat es riesig Spass gebracht und würde und werde es wohl wieder machen. Mal gucken, vielleicht melde ich mich auch noch beim Fotomarathon Bremen an. Hier ist zwar auch nur noch die Warteliste, aber vielleicht klappt es ja.

Nun noch ein paar Worte zur Ausrüstung. Hier war für mich die Maßgabe, weniger ist mehr, denn 12 Stunden ist eine lange Zeit und der Rücken wird es Danken, wenn man nicht zu schwer unterwegs ist.

Daher hatte ich die Leica M Monochrom mit einem Summicron 1:2/35mm und 1:2/50mm mit Orangefilter dabei. Ferner einen Fuji EF-X 20 Blitz (hatte ich im Einsatz), ein Tischstativ (hatte ich im Einsatz), Akkus (die ich nicht benötigt habe), für den Notfall Ersatzspeicherkarte (brauchte ich nicht), ein Mulitool (brauchte ich nicht), eine Taschenlampe (brauchte ich nicht) und etwas zum Reinigen. Das hatte ich alles in der Cosyspeed Streetomatic Gürteltasche und in der Pacsafe-Gürteltasche hatte ich die Unterlagen, Geldbörse, Wasser und Kleinkram. Die Leica hing diagonal in einem Peakdesing-Gurt. Das hatte alles wunderbar gepasst, sodass ich in Bezug auf Kameratechnik den Kopf absolut frei hatte, was sehr wichtig ist. Ich glaube so einen Marathon mit einer neuen und/oder zu schweren Ausrüstung kann eine große Qual werden. 

So und nun noch zum Schluss, die Bilder aller Teilnehmer werden am Samstag den 27.08.2016 von 13 bis 21 Uhr und Sonntag den 28.06.2016 von 11 bis 17 Uhr in den Mozartsälen in der Moorweidenstraße 36, 20146 Hamburg präsentiert. Eintritt kostet 3€