Meine Gedanken zur Leica M10

Meine Gedanken zur Leica M10

Es ist jetzt ca. 1,5 Wochen her, dass Leica mit der M10 den Nachfolger der Leica M Typ 240 herausgebracht hat und wieder zu ihrer „alten“ Typenbezeichnung zurückgegangen ist.

Leica hat es auch mal wieder geschafft mit dieser Kamera die Fotowelt zu polarisieren, es ist von „Meilenstein“ über veraltete Technik, die zu teuer ist so ziemlich alles dabei.

Ich habe viel verfolgt und mir als Leica-Fan natürlich auch eine Meinung gebildet. Ich wollte sie aber hier noch nicht veröffentlichen, solange ich die Kamera nur von Bildern her kenne. Gestern konnte ich sie mir das erste Mal bei Meister-Camera in Hamburg mal live ansehen und auch ausgibig befummeln. Mit dem sehr netten Verkäufer, der sich wahnsinnig viel Zeit genommen hatte, bin ich sehr ins Schnacken gekommen, sodass ich vergessen habe, mal ein paar Bilder von der Kamera zu machen, sodass das Titelbild von Leica entliehen ist. Ich denke und hoffe, dass das für Leica ok ist.

Nun will ich hier nicht mit technischen Daten langweilen, denn die sind ausgiebig woanders zu lesen. Nur soviel, als ich die ersten Daten gelesen habe, war ich am überlegen, ist da nur am Design geschraubt worden? Mitnichten, denn da ist deutlich mehr Entwicklung eingeflossen, als die Daten vermuten lassen.

Leica bleibt nicht nur dem Messsucher bei der M treu, sondern auch dem Design, denn im Prinzip sieht die Leica M von Anbeginn an immer gleich aus, nur Kleinigkeiten sind verändert worden, selbst das „hässliche“ Entlein die M5 erkennt man m.E.n. Als Leica. Die digitalen sind allerdings im Vgl. zu den analogen dicker geworden, was einigen gestört hatte. Ich hatte da weniger ein Problem mit, weil die Dinger dadurch auch gut in meinen Händen liegen. Die M10 ist jetzt wieder genauso schlank, wie eine M6 oder M7 oder MP. Wobei Leica sich hier auf die Dicke der Deckkappe bezieht, was etwas geschummelt ist, allerdings nicht in der optischen Wahrnehmung und das ist entscheidend. Wenn man genau drauf achtet, dann steht das Bajonett im Vgl. zu den anderen Ms etwas vor. Es fällt allerdings nur auf, wenn man darauf achtet (was Ihr ab jetzt macht) 😉

Zuerst hatte ich gedacht, ok sie ist schlanker, wird sie aber dadurch nicht auch unhandlicher? Ich kann sagen nein, denn der Thumbs up (Daumenstütze) ist noch etwas ausgeprägter, als bei der 240&Co. ohne, dass man das Daumenrad schlechter bedienen kann. Das ist der Fall, wenn man die Zubehör Thumbies verwenden, die dann auch noch den Blitzschuh blockieren. Daher habe ich welche zum Aufkleben, von einem lustigen Engländer. Die stehen nicht so doll hervor und blockieren nicht den Blitzschuh. Also hier hat Leica alles richtig gemacht. Schickes Design ohne auf Kosten der Handlichkeit gegangen zu sein.

Dann hat Leica oben links noch ein ISO-Rad angebracht, was als Anlehnung des Rückspulknopfes  der M3 und MP gedacht ist. Sehr cool, wie ich finde, denn die M10 ist nunmehr neben der M-D die einzige digitale Kamera (soweit mir bekannt ist) Anmerkung: die Fuji X-T1 und X-t2 sowie die X-Pro 2 können es auch, wo ich alle wichtigen Parameter zur Belichtung einstellen kann, ohne die Kamera einzuschalten bzw. ich sehe alle auf einen Blick. Den Knopf muss man anheben, um in zu verstellen und man kann ihn aber dort lassen, sodass man die ISO auch verstellen kann, ohne die Kamera vom Auge zu nehmen. Ob das alles für eine Kamera ausschlaggebend ist, weiss ich nicht, aber ich finde es sehr gut.

Achja ISO, der ISO-Bereich ist zwischen 100 und 50.000, wobei auf dem Rad sind 100 – 6.400. Dann habe ich am Rad noch A(utomatik) und M(anuell), wo dann der Wert genommen wird, den man im Menü eingestellt hat bzw. wenn man lieber über das Menü geht, um die ISO einzustellen. Also auch an die hat Leica gedacht. Ich hatte mir mal ein paar DNG-Bilder aus dem Internet geholt und muss sagen, dass m.E.n. Leica nun endlich in Sachen ISO-Performance Anschluss gefunden hat.

Aprospos Menü und restliche Bedienung. In Zeiten von DLSM, wo man so ziemlich alles im Menü ver- äh einstellen kann, hat Leica es geschafft, die Bedienung noch aufgeräumter und übersichtlicher gestalten, wie es schon bei den Vorgängern war. Und mit drei Knöpfen (Liveview, Play und Menü) vermutet man es nicht. Gerade im Play-Modus hatte ich gedacht, dann wird das Löschen aber ganz schön umständlich. Nö sogar noch einfacher, denn mit einem Knopfdruck auf Menü, habe ich dann die Wahl zwischen, löschen (einzeln oder alle), Schützen (einzeln oder alle) und Bewerten. Letzteres wird sogar in den Exifs verewigt und somit im RAW-Converter der Wahl übernommen. Das finde ich mal ganz cool. Soweit ich weiss machen das nicht allzuviele Kamerahersteller.

Bei ersten Druck auf die Menütaste kommt man in ein selbst zu konfigurierende Favoritenmenü und mit einem zweiten Druck ins Hauptmenü. Das Favoritenmenü habe ich schon bei Fuji zu schätzen gelernt. Gut gemacht Leica!

Übrigens Play, auch hier hat Leica mal überlegt. Ich bin ein Freund von Histogramm und hier war es bisher so, dass es so groß war/ist, dass es so dominant war, dass man entweder das Histgramm beurteilt oder das Bild. Man musste dann immer über die Info-Taste durch die Ansichten blättern und das waren vier Seiten. Bei der M10 zwei. Zumindest war es gestern so eingestellt. Entweder komplettes Bild oder alle Infos. Wobei diese alle am Rand sind, wie auch das Histogramm, was oben link deutlich kleiner ist. Hier würde ich mir wünschen, dass Leica das per Firmware-update nachrüstet. Abei leider ist Leica für eine nachhaltige Firmware-Politik bei bestehenden Kameras nicht unbedingt bekannt.

Durch den neuen Prozessor ist die M10 auch deutlich flinker beim Einschalten oder Aufwachen geworden. Den Trick, dass man beim hochnehmen zum Auge schonmal kurz den Auslöser zum Aufwachen antippe braucht man nicht mehr anwenden. Im übrigen, hatte ich den schon aus Zeiten der OM-D E-M5II übernommen. Und mit 5 Bilder/s ist sie auch noch flotter geworden. Ok sie ist dadurch keine Sportkamera geworden, was sie aber nicht sein will und soll.

Die M10 hat keinen (von vielen erhofften) integrierten Hybrid-EVF bekommen, sondern man kann einen externen verwenden. Hier ist aber nicht mehr der eher schlechte des Vorgängers, sondern der der Leica T/TL. Dieser ist zwar nicht auf Höhe des EVF der SL oder Q, aber soweit OK. Er sogar GPS, was aber eher unbrauchbar ist, was ich bei der T schon feststellen durfte.

Sie hat auch immer noch nur einen SD-Karten-Slot, was mich persönlich nicht stört, aber da gibt es ja auch Auseinandersetzungen im Netz, die teilweise schon bis aufs Messer geführt werden.

Die M10 hat zwar Liveview, aber kein Video. Das Feld überlässt Leica der SL. Wohl nach dem Motto entweder richtig oder gar nicht. Und mein Empfinden, das ist eines der wenigen Dinge, die in der Leica-Gemeinschaft sehr unproblematisch ist.

Die Schlankheitkur hat leider auch zur Folge, dass der Akku dünner geworden ist und somit an Kapzität eingebüßt hat. Die M ist ja was Akku-Leistung angeht für mich ein Monster. Eine Wochenende mit nur einem Akku ist mit der „alten“ M kein Problem. Hier wird die Praxis zeigen, wie es mit dem neuen Akku funktionieren wird. Mein Gefühl sagt mir, dass es für mich wohl auch kaum bemerkbar sein wird, da ich Liveview eh selten nutze (Ok, mangels Liveview bei der 262 kein Wunder). Ob ich mit 45% Restakku nach Hause komme oder 35% ist eher uninteressant. Hier bin ich aber mal auf die ersten richtigen Praxiserfahrungen gespannt.

Beim Preis hatte ich eigentlich mit einer 7 vorne gerechnet und mit 6.500€ ist sie sogar 20€ günstiger, als die noch erhältliche Typ 240 😉

Mein Fazit:
Mit der M10 kommt Leica dem Meilenstein schon recht nahe. Sie haben es geschafft, wieder an das alte Design anzuknüpfen ohne an der Handlichkeit einzubüssen. Mit der kompromisslosen Einstellbarkeit der Belichtungsparameter im ausgeschalteten Zustand hat sie meinen Nerv getroffen. Mit der ISO-Performance hat Leica nach der Monochrom nun endlich mal aufgeschlossen und diese vielleicht auch überholt, allerdings muss ich sagen, dass ich mit meiner M Typ 262 selten Probleme hatte, aber haben ist besser als brauchen 😉

Ob sich der kleiner Akkus stark bemerkbar machen wird, wird sich zeigen, allerdings wird sie immer noch besser sein, als die DSLMs, da der EVF ja fehlt.

Nun zur Frage, ob ich mir die M10 kaufe oder kaufen würde. Letzteres eindeutig ja, nur werde ich es derzeit nicht tun, da mein Konto etwas anderes sagt 😉 Ein Verkauf meiner 262 lohnt sich nicht, denn derzeit ist der Gebrauchtmarkt mit Typ 240 und 262 ziemlich voll und er Gebrauchtpreis dementsprechend niedrig.

So dass soll es erstmal gewesen sein, mehr fällt mir nicht ein. Ich habe noch ein paar Bilder beigefügt, damit es hier nicht nur mit Text ist, die sind aber leider nicht wirklich aussagefähig.